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BeBabe

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Samstag, 11. November 2017, 21:08

Zwangsimplantation - Gericht soll Präzedenzfall schaffen!

Ich möchte heute auf etwas aufmerksam machen, was mich gerade sehr schockiert hat.

Hier sind fast alle implantiert oder in der Entscheidungsfindung für eine Implantation. Ihr alle durftet frei entscheiden, ob ihr implantiert werdet oder eure Kinder implantieren lasst.

Jetzt gibt es einen Arzt, der die Eltern eines gehörlosen Kindes beim Jugendamt angezeigt hat, wegen Kindeswohlgefährdung, weil sie dem Kind kein CI implantieren lassen möchten. :cursing:

Hier der Artikel: http://www.taubenschlag.de/2017/11/zwang…n-braunschweig/ und die Pressemitteilung dazu: https://www.kestner.de/n/verschiedenes/p…mplantation.htm

Mich würden eure Meinungen interessieren. Sollen Eltern frei entscheiden können, ob ihr Kind implantiert wird?
Normalhörend - Tochter von maus

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Samstag, 11. November 2017, 21:43

Schwierige Frage !

Ein Thema, das schon sehr oft in der Community der Hörgeschädigten diskutiert wurde die letzten Jahre.
Ehrlich gesagt, ich habe mich da noch nie zu einer klaren Meinung durchringen können.
Zwang ist immer schlecht und verstößt gegen die Verfassung, weil es gegen das Selbstbestimmungsrecht ist.
Aber warten bis das Kind selbst entscheiden kann ?
Da muß man dann halt warten, bis es ca. 14 Jahre alt ist, da geht man dann davon aus, dass es selbst Entscheidungen treffen kann.
So war das zumindest bei mir, als ich vom Gericht damals gefragt wurde, da hat man auch gewartet, bis ich 14 bin, ob ich bei meinem Vater oder bei meiner Mutter leben will.
Ich denke, da ist das Kind in dem Alter dann einfach schon zu alt und hat zu viel in der hörenden Welt verpasst.
Also schwere Frage und wird wohl eine heiße Diskussion geben ?
Gruß Bestager

-----------------------------------------------------------------------
Rechts Implantat seit 6/2006, Cochlear Nucleus 5
Links Implantat seit 1/2012, Cochlear Nucleus 5
Links einmal reimplantiert, Kapselotosklerose, Tinnitus

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"Ich glaube an das Pferd. Das Emobil ist eine vorübergehende Erscheinung."
@ Kaiser Wilhelm II

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Samstag, 11. November 2017, 22:56

Wenn das mein Kind wäre, würde ich den Arzt wegen "Denunziation und Verleumdung bei einer Behörde" verklagen. Denn da hat sich der "Gott im Weißkittel" zu sehr aus dem Fenster gelehnt.

Und Frau Kestner ist ja bekannt dafür, dass sie ständig gegen CI's im Allgemeinen wie auch im Besonderen "stänkert". Ein Zitat aus ihrem Artikel als Beispiel:

"CI Zwang ist die Diskriminierung einer gesamten Kulturgemeinschaft, ist die Ausrottung der Gebärdensprache, die dann nur noch von wenigen Menschen benutzt wird, die sich vor der Implantation in Sicherheit bringen konnten."

Das sagt schon viel über die Haltung und Ideologie dieser Frau aus.
Von Geburt an beidseitig an Taubheit grenzende Schallempfindungsschwerhörigkeit
LI: Implantation von CI422(SRA) 10/12 - EA des SP Cochlear Nucleus 5(CP810): 11/12
RE:Implantation von CI422(SRA) 09/14 - EA des SP Cochlear Nucleus 6(CP910): 10/14
Vivantes Klinikum im Friedrichshain - Hörzentrum Berlin / Cochlear Implant Centrum Berlin-Brandenburg

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »JochenPankow« (11. November 2017, 23:04)


BeBabe

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Samstag, 11. November 2017, 23:13

Die totale Verteufelung des CIs ist natürlich schlecht. Ich bin dankbar für die Fortschritte und Möglichkeiten, die die Technik bietet.
Ich hoffe, dass jeder die Informationen, die er oder sie für die Entscheidungsfindung braucht bekommen kann. In Zeiten des Internets kann man viele Informationen bekommen, muss aber aufpassen und nachprüfen ob diese auch der Wahrheit entsprechen.
Ich möchte selbst nicht in der Haut der Eltern stecken und entscheiden müssen, ob mein Kind implantiert wird oder nicht. Die Eltern sollten bestmöglich beraten werden und in jeglicher Entscheidung unterstützt werden.
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Sonntag, 12. November 2017, 09:05

Hier prallen zwei Welten aufeinander:

- einmal die Gehörlosen, die Angst um die Gebärdensprache und ihrer Kultur haben.
- zum anderen, die das CI als Allheilmittel und als Möglichkeit zu einem "normalen Leben" sehen.

Auch ich bin gegen die Zwangsimplantation. Vielmehr soll man die Eltern gründlich aufklären, welche Möglichkeiten und Risiken CIs bieten. Schließlich ist nicht jede Implantation erfolgreich und birgt Komplikationen. Doch aus einer Mücke einen Elefanten zu machen, ist ebenfalls nicht korrekt.
Dazu sollen die Eltern über das Potential der Gebärdensprache aufgeklärt werden. So manche sehen darin eine Art "Affensprache", was so gar nicht stimmt. Die Gebärdensprache ist eine vollwertige Sprache und Kinder können sie sehr gut nebenbei her lernen. Außerdem tut man sich mit der Gebärdensprache beim Lernen meiner Meinung nach wesentlich leichter, vor allem in Fremdsprachen und fremdsprachlichen Menschen, da die Gebärdensprache sehr stark an Gegenständen und Aktionen orientiert (Lernen durch Assoziationen), was mit der Lautsprache selten möglich ist.
Egal ob mit CI oder ohne CI, die Eltern werden sich so oder so mit der Gebärdensprache auseinander setzen müssen (und können sogar davon profitieren). Insofern ist das Argument mit der Ausrottung der Gebärdensprache meiner Meinung recht schwach, auch wenn die Gegner der Gebärdensprache dies zu ihrem großen Ziel machen.
Links: CI - HiRes 90K Advantage Med Scale - 21.10.2015 / EA: 23.11.2015 - Naida CI Q90 (Upgrade 11.10.2016)
Rechts: CI - HiRes 90K Advantage Med Scale - 02.09.2016 / EA: 10.10.2016 - Naida CI Q90
Uni-Klinik Freiburg

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BeBabe (12.11.2017)

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Sonntag, 12. November 2017, 12:56

Endgültig?!

Man darf nicht vergessen, die Entscheidung, ob für oder gegen ein CI für ein Kleinkind ist höchstwahrscheinlich endgültig! Wird das Zeitfenster für die Hörbahnreifung verpasst, ist eine spätere Implantation eines CI als z.B. Jugendlicher sinnlos.

https://de.wikipedia.org/wiki/Cochlea-Implantat:

"Bedeutung der zwei Zeitfenster der Sprachentwicklung für die frühe Erkennung und Intervention[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die zwei Zeitfenster stimmen mit der jüngsten Forschung auf dem Gebiet der experimentellen Neurophysiologie und Neurowissenschaften über die Existenz einer kritischen (dauerhaft festgelegten) und einer sensitiven (besonders empfänglichen) Periode in der Entwicklung des Menschen überein. Sie bestätigen die Bedeutung der frühen Erkennung (Neugeborenenhörscreening) und Intervention (Hörverstärkung, Hörerziehung).

Das erste Zeitfenster (kritische Periode[4]) reicht bis zum 8–9 Monat. In den 1970er Jahren entdeckte die Sprachheilpädagogin Ciwa Griffiths bei der Versorgung von gehörlosen Säuglingen mit bilateralen Hörgeräten, dass die Hörgeräte nach ein paar Monaten abgesetzt werden konnten, weil die Säuglinge inzwischen eine normale Hörfähigkeit entwickelt hatten. Ihre klinische Studie von 1969 bis 1973 an 21 gehörlosen Säuglingen zeigte, dass 67 % der Säuglinge, die im Alter bis 8 Monate an der Studie teilnahmen und mit Hörgeräten versorgt wurden, eine normale Hörfähigkeit entwickelten, während das bei keinem der Säuglinge, die erst nach 8 Monaten Hörgeräte erhielten, der Fall war.[5] Bei einer ähnlichen Studie, die durch den Otologisten Arpad Götze am Janos Spital in Budapest, Ungarn 1978–1981 mit 68 gehörlosen Säuglingen durchgeführt wurde, konnten 51 (75 %) eine normale Hörfähigkeit entwickeln, die übrigen 17 hatten gehörlose Eltern oder erhielten ihre Hörgeräte erst nach 8,5 Monaten.[6]

Mit der Studie über kindliches Lernen von 2000 wies Alison Gopnik von der University of California nach, dass sieben Monate alte japanische und amerikanische Babys gleich gut zwischen „R“ und „L“ unterscheiden konnten, was nach zehn Monaten bei den japanischen Babys nicht mehr möglich war. Diese Studie bestätigt Ergebnisse der Hirnforschung, dass sich das Gehirn, gesteuert durch die Ohren, auf die Muttersprache spezialisiert und deshalb fremde Laute, die es in der Sprachumgebung nicht hört, nach dem 8–9 Monat einschränkt. Bei gehörlosen Kindern, die gar keinen sensorischen Input erhalten, ist die Einschränkung noch massiver.[7][8]

Das zweite Zeitfenster (sensitive Periode), das als Reifeperiode der Sprachentwicklung angesehen wird, reicht von 8 bis 9 Monaten bis etwa 3,5 Jahre. Je länger dem Gehirn akustischer Input vorenthalten wird, desto größer wird die resultierende sensorische Deprivation, die einen Mangel an sensorischer Stimulation des Gehirns verursacht. Nicht nur, dass sensorische Deprivation auditives Lernen verhindert, es verhindert auch das neuronale Wachstum. Bei der Abwesenheit von normaler Stimulation gibt es eine empfindliche Periode bis etwa 3,5 Jahre, in denen das menschliche zentrale auditorische System maximal plastisch bleibt, nach dem Alter von 7 Jahren wird die Plastizität stark reduziert.[9][10]"

Eine Entscheidung hinauszuzögern ist nur möglich, wenn Hörreste noch mit HG genutzt werden können...
OP 20.10.2011 rechts, Med-El Concerto/FlexSoft/Opus2 XS, EA 24.11.2011
OP 18.02.2013 links, Med-El Concerto/Flex28/Opus2 XS, EA 25.03.2013
http://weakearsingermany.blogspot.com/

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »jh« (12. November 2017, 18:09)


scs

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Sonntag, 12. November 2017, 19:28

Wahnsinn was es für Eltern gibt, die nicht das beste wollen, geben, ist das Neid beim eigenen Kind, kann doch nicht sein.

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Montag, 13. November 2017, 14:06

Das wird wirklich ein sehr interessantes Urteil werden welches demnächst gefällt wird, hoffen wir, dass Eltern künftig solche Missstände umgehen können. Kompetenzen hin und her, Fortschritt hin und her: Über den Kopf der Eltern hinweg entscheiden, das geht gar nicht in diesem Fall!

Gehörlose: Halbgott in weiß will Zwangsimplantation herbeiführen

https://www.hoergeschaedigte.com/index.p…-herbeifuehren/

Audi

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Montag, 13. November 2017, 17:54

Offensichtlich hast Du Dich nur für diesen einen (parteiischen) Beitrag hier im Forum angemeldet und es gibt keine Informationen zu Deinem Hintergrund. Das ist aus meiner Sicht nicht sehr dienlich für die Diskussion.

Edit:
Im Prinzip finde ich es in Ordnung, dass der Chefarzt der Klinik Braunschweig die Eltern des Kindes angezeigt hat. Wenn das Kind vollständig gehörlos sein sollte, dann ist es nicht falsch, wenn ein Präzedenzfall geschaffen werden könnte. Damit hätten die Ärzte in der Zukunft eine Entscheidung, woran sie sich orientieren könnten. Worauf jh schon hinwies; es gibt nur zwei Zeitfenster für die Hörbahnreifung und dieses Wissen bringt Ärzte in einen Zwiespalt zwischen der ärztlichen Verantwortung für die Zukunft des Kindes und den Interessen der Eltern, sofern diese das Hörvermögen des Kindes als verzichtbar betrachten.

Es sollte natürlich versucht werden, die Eltern über die Trageweite ihrer Entscheidung aufzuklären. Dennoch ist es leider so, dass nicht alle Eltern in der Lage sind, zu erkennen, was das Beste für ihr eigenes Kind ist. Im Idealfall gibt man dem Kind frühzeitig alle Möglichkeiten für ein eigenes, erfolgreiches Leben mit.

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »Audi« (14. November 2017, 21:26) aus folgendem Grund: Eigener Beitrag zum Thema


muggel

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Mittwoch, 15. November 2017, 12:03

Hallo,

ich sehe die Beiträge sehr kritisch.
Eigentlich sind viel zu wenig Informationen gegeben worden. Es wird nur geschrieben, dass die Eltern eine Implantation nicht wünschen, der behandelne Arzt dieses jedoch als sinnvollsten Weg sieht.
So wie ich die Begründung des Arztes lese, geht es nicht um eine Zwangsimplantation (wie es von KK wohl interpretiert wird), sondern eher darum, eine dritte Seite einzuschalten, die aus den vorhandenen Argumenten der beiden (kontrahierenden) Seiten dann die Entscheidung fällt, was in dem konkreten Fall für das konkrete Kind die richtige Entscheidung ist.
Auch dass das dieses das Familiengericht entscheiden soll, entspricht dem üblichen Vorgehen, wenn es mehrere Parteien gibt, die unterschiedlicher Meinung über das Wohl des Kindes sind. Ein klassisches Beispiel ist das Aufenthaltsrecht eines Kindes nach Scheidung: wenn sowohl Vater als auch Mutter der Meinung sind, dass es am Besten für das Kind ist, bei ihm / ihr zu leben, muss ein Familiengericht entscheiden, wo das Kind tatsächlich leben wird.

Grüße,
Miriam

lupus

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Mittwoch, 15. November 2017, 13:57

Sehr schwieriges Thema.

http://gehoerlosenzeitung.de/zwang-cochlea-implantat-familiengericht/

Hier kann man herauslesen dass die Eltern eigentlich gut informiert sind und das nicht aus einer Laune heraus entscheiden.

Ansonsten sehe ich das wie Berlin71.

Taub zu sein ist nicht das Ende der Welt. Man kann trotz Taubheit alles lernen und fast alle Berufe ausüben. Wichtig ist halt, dass man gefördert wird. Mann muss nur mal über den großen Teich gucken, es gibt Gehörlose die den Oscar gewonnen haben (Marlee Matlin), die Americas Next Topmodel gewonnen haben (Nyle DiMarco) und generell gibt es dort eine Universität nur für Gehörlose in Washington DC (Gallaudet University).

Es ist irgendwie eine deutsche Eigenheit, alles was fremd ist für schlecht zu erklären. Ewig lange war sogar die Gebärdensprache in den Schulen verboten und auch sehr viele Lehrer dort können heute immer noch keine Gebärdensprache.

Das sind Punkte die man angehen sollte. Da gibt es ne Menge aufzuholen.

Was ist denn mit Eltern die rauchen oder trinken? DAS ist doch Gefährdung des Kindeswohls. Grade das Passivrauchen ist megaschädlich. Wo ist der Aufschrei hier?

Ich persönlich würde meinem Kind wohl ein CI einsetzen lassen. Ich hätte aber auch kein Problem damit, wenn es keins bekommen würde. Es ist nicht das Ende der Welt. Wenn informierte Eltern sich dagegen entscheiden, akzeptiere ich das und es ist deren Entscheidung. Da hat sich niemand einzumischen. Hier eine Gefährdung für das Kind zu sehen ist doch ein wenig arg weit hergeholt.

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BeBabe (15.11.2017)

muggel

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Donnerstag, 16. November 2017, 08:00

Hallo,

die ganzen Online-Artikel haben allesamt Bild-Charakter.
Schon alleine die Überschriften.

Wer genau weiss denn, was der Anklagepunkt ist?
Wenn man alle Informationen liest, dann sehe ivh
- Gehörlose Eltern, die ihr Kind nicht implantieren wollen
- Einen Arzt, der das Kind implantieren möchte, damit dieses auch die Möglichkeit bekommt, an der hörenden Welt teilzunehmen.
Der Arzt hat die Eltern zu einem Folegespräch eingeladen und in der Einladung wohl schon mit Einschalten des Gerichts „gedroht“. Dir Eltern sind nicht hingegangen.
Nett ist die Androhung der Einschaltung des Amts nicht, aber auch nicht so unüblich. Wir hatten dieses auch schon bei einer Einladung zum Gesundheitsamtsarzt. Letztendlich ging es darum mit Hilfe einer dritten Instanz zu überprüfen, ob alles „richtig“ und in Ordnung ist etc (bei uns hat die Schule den Termin beim Amtsarzt in die Wege geleitet).

Gerade bei Dingen, die im Weitesten die Zukunft eines Kindes betreffen und bei der sich zwei involvierte Parteien nicht einig sind, wird eine dritte Kraft eingeschaltet. So auch bei Scheidungen, wenn die Eltern sich nicht einigen können, bei wem das Kind den Lebensmittelpunkt haben soll.

Vielleicht bin ich zu naiv, aber ich sehe hier eher ein Arzt, der sichergehen will, dass die Ablehnung des CIs wirklich wohlbegründet ist, der sichergehen will, dass dir Eltern wirklich verstanden haben, was für Konsequenzen bzgl des Lautspracherwerbs die Nichtimplantation hat.

Fakt ist: Verweigern die Eltern eine Implantation, so nehmen sie dem Kind die Chance, adäquat in die Lautsprache zu kommen. Auch wenn der Erfolg einer CI Implantation nicht garantiert werden kann, stellt sich die Frage, ob Eltern wirklich ausreichend informiert sind, eine solche Entscheidung zu treffen.
Ich kenne keine andere Krankheit / Behinderung, bei denen Eltern nicht alles machen, damit das Kind alle möglichrn Chancen hat. Kinder mit Kiefer-Lippen-Gaumenspalte müssen auch nicht möglichst schnell operiert werden, sondern könnten so lange mit einer Sonde ernährt werden, bis sie selbst entscheiden können - mit entsprechenden Konsequenzen (deutlich kompliziertere OP, größere Narben, Probleme mit dem Kiefer etc pp). Die Entscheidung liegt dennoch bei den Eltern.

Wichtig finde ich, dass sichergestellt werden muss, dass die Entscheidung der Eltern wohlüberlegt ist. Hierzu zählz es, dass man die Ablehnungsgründe kennt, über die Folgen einer Implantation und einer Nicht-Implantation informiert. So, dass sichergestellt ist, dass die Eltern tatsächlich das auch verstehen (also bei GL Eltern müssen solche Gespräche mit einrm DGS-Dolmetscher erfolgen). Lehnen die Eltern dann die Implantation ab, so ist die Entscheidung zu akzeptieren!
Aber... so wie sich die Artikel lesen, lehnten die Eltern eben so ein Gespräch ab bzw sind gar nicht hingegangen und deswegen liegt das nun vor Gericht.
Auch ist klar: alle Fälle vor dem Familiengericht sind Einzelfälle, dh die Richterin bestimmt auch nicht indirekt über eine Zwangsimplantation aller gehörlosen Kinder. Jedoch kann sich aus dem Gerichtsverfahren ergeben, dass eine Ablehnung der CI Implantation nur nach ausgührlicher Beratung möglich ist und Eltern diese nachweisen müssen.

Ich fände es eh sehr wichtig, dass Eltern gehörloser Kinder richtig beraten werden. Nicht nur über das CI, sondern auch über Gebärdebnsprache etc. Am besten neutral. Allerdings fehlt es an solchen Beratungsstellen, weil in vielen Köpfen immer noch „entweder Lautsprache oder Gebärdensprache“ existiert. Warum werden gehörlose Kinder nicht generell sowohl in Lautsprache als auch in Gebärdensprache gefördert? Nur hierdurch lernen sie tatsächlich beides kennen und können letztendlich soäter entscheiden, was für sie der richtige Weg ist. Hält man eine Sprache vor, so entscheidet für das Kind!

Grüße,
Miriam

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Freitag, 17. November 2017, 09:23

Für Zwangsimplantation bin ich nicht, finde aber, dass taub geborenen Kindern die Möglichkeit gegeben werden sollte, Hören zu erlernen, wenn die technische Möglichkeit vorhanden ist, und zwar im ausgereiften Zustand.
Da schließe ich mich Muggels Meinung nur zu gerne an- im Falle- bei jeder anderen Behinderung, Krankheit, wird alles auf den Kopf gestellt und gemacht, und ausprobiert, und operiert- nur die tauben Ohren stoßen auf... die tauben Ohren, ziemlich oft.
In der Familie bin ich bis jetzt die einzige, die so jung ertaubte- keine Ahnung, ob meine Nachkommen ebenfalls dieser Schicksal irgendwann ereilt- da bin ich aber froh, dass mein Sohn die Mienung vertritt, sollte irgendwann eins seiner Kinder taub geboren sein, oder er selbst ertauben, ist CI die erste Wahl.
Sicherlich wird seine Sichtweise dadurch geprägt, dass er mitbekommen hat, wie schnell ich mit dem SP "verwachsen" war, und wie schnell sich die ersten Erfolge einstellten, und wie das Ding heute, nach 4 Jahren, funzt.
Ich denke, für die Eltern dieses Kindes wären paar positive Erfahrungsberichte sehr vom Vorteil. Und allen CI- Gegnern sowieso.

Allerdings frage ich mich, ob auch Erwachsene zur Implantation gezwungen werden könnten.
Da nehme ich mich als Beispiel.
Ohne CI wäre es mir nicht möglich zu arbeiten, ich wäre zu taub für das viele Publikumsverkehr.
Vor 4 Jahren, wenn ich mich gegen CI entschieden hätte, also mit 45, müsste ich also- in Frührente???
Vorher natürlich krank, Krankengeld, 100 Nachfragen der Krankenkasse, Einschalten der RV.... Reha- um dann festzustellen, ich habe zu wenig Hörvermögen, um arbeiten zu gehen, und Umschulung, also Neuorientierung, Beruf, wo man nichts hören braucht, wüßte ich auch keinen.
Könnte es dann sein, dass mich die RV zu einem CI drängen würde?
Weil die Frührente zu teuer für sie käme?
Hab da schon öfters darüber nachgedacht, was wäre, wenn ich kein CI gewollt hätte.
rechts: CI seit Sept. 2013, trage Opus 2XS (sehr gern)+ Rondo (weniger gern)
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Freitag, 17. November 2017, 12:29

Hallo Lucy,
deine Frage auf Erwachsene bezogen ist gar nicht mal so verkehrt.
Sind hier im Forum doch jede Menge Mitglieder, mich selbst inzwischen eingeschlossen, die sagen „hätte ich es doch mal früher gemacht!“
Nur wir wissen alle aber auch, dass man sich zu 100 % für das CI entscheiden sollte, soll es vom optimalen (Hör-) Erfolg gekrönt sein. Dieses echte, wirkliche „Ja“ zum CI wird man jedoch mit Zwang nicht erreichen und somit sehe ich für den Erfolg schlechtere Chancen als bei einem freiwilligen „Ja“.
Irgendwo betrifft es auch die Eltern ertaubter oder von an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit betroffener Kinder: ohne Unterstützung durch die Eltern haben quasi „zwangsimplantierte“ Kinder es sehr viel schwerer, das Hören zu erlernen, als wenn die Eltern voll und ganz hinter ihrem Kind und dem CI stehen.

Es stimmt jedoch meines Erachtens schon, dass das Thema Schwerhörigkeit und Taubheit und deren Folgen bzw. Handicaps in der allgemeinen Gesellschaft nicht präsent ist. Geht man offensiv damit um, erfahre ich persönlich sehr viel Interesse und auch Verständnis.

Ich wünsche allen, Erwachsenen wie auch Kindern, eine glückliche Hand bei der Entscheidungsfindung.

Liebe Grüße
SaSel
Von Geburt an hochgradig schwerhörig beidseitig, im Laufe der Jahre an Taubheit grenzend schwerhörig beidseitig
OP rechts am 31.05.2017, EA am 17.07.2017, Cochlear Kanso
links HG, zurzeit Resound Linx wegen Kompatibilität zu Cochlear

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matzedm101 (20.11.2017)

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Freitag, 17. November 2017, 13:46

"Nur wir wissen alle aber auch, dass man sich zu 100 % für das CI
entscheiden sollte, soll es vom optimalen (Hör-) Erfolg gekrönt sein."

Das Kann ich aber so nicht stehen lassen. Ich habe mich auch zu 100% für das CI entschieden und bisher nicht wirklich Erfolg.
Da spielen meiner Meinung nach noch mehr Faktoren eine Rolle.

Es ist ja nicht so, das man sich ein CI implantieren läßt und dann ist alles schick.

LG

Rechts: seit 43 Jahren taub
CI-OP 01/17 HiRes 90K Advantage HiFocus MS Electrode
EA 03/17 Naida Q 90

Links: hochgradig schwerhörig, versorgt mit HG v. Siemens

muggel

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Freitag, 17. November 2017, 13:51

Hallo Maus,

Du hast die eine Aussage von SaSel anders aufgefasst als ich sie aufgefasst habe.
Deine Interpretation: Wenn man sich zu 100% für das CI entscheiden sollte, dann ist damit ein optimaler Hörerfolg garantiert.
Meine ist hingegen: Wenn man sich zu 100% für das CI entscheiden sollte, dann wünscht man sich, dass dieses auch entsprechend mit optimalem Erfolg gekrönt wird.

SaSel: vielleicht magst du die Intention deiner Aussage noch mal näher erläutern?

Grüße,
Miriam

SaSel

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Freitag, 17. November 2017, 15:50

Hallo ihr Lieben,

ich meine, dass, wenn man vollkommen hinter dem CI steht, die Chancen ungleich größer sein könnten, dass man den für sich optimalen Hörerfolge erzielen könnte (bewusst im Konjunktiv, da hier natürlich keine Allgemeingültigkeit Aussagen getroffen werden können und dürfen). Aber wenn man hinter eine Sache steht, kann man Rückschläge eher verkraften und ist mehr motiviert, sich mit dem Thema auseinander zu setzen.
Ich bin ehrlich, zu Anfang stand ich selbst nicht komplett hinter dem CI, habe es quasi als „Vernunftehe“ betrachtet. Erst im Laufe der Zeit stand ich immer mehr zu dem CI, weil es dauerhaft für mich auf jeden Fall mehr Lebensqualität bringt; auch wenn ich den SP erst seit genau vier Monaten am Kopf habe. :rolleyes:

Ich hoffe, ich konnte evtl. Missverständnisse beseitigen. ;)

Liebe Grüße
SaSel
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Samstag, 18. November 2017, 11:30

Die Eltern und das Kind tun mir leid.

In der extrem Schwierigen Situation ist jede Hilfe angebracht.

Gerichte haben die Aufgabe das Kindeswohl in den Fokus zu stellen. Daher sehe ich den Schritt vom Jugendamt als richtig an. Sollten die Richter zum Ergebnis kommen, Das Kind bekommt ein oder beidseitig CI implantiert, Bleibt die Nachsorge eine sehr wichtige Aufgabe. Ideal wäre ein Btreuer/in, die zur Freundin der gesamten Familie wird.

Das wünsche ich der Familie :love: und träume weiter. :sleeping:
Hörgeräte seit ca. 1995
rechts taub: seit November 2017 ein CI mit Nucleus 7
links: ca. 50% Hörverlust HG Phonak

Liebe Grüße
Peter

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lupus

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Montag, 20. November 2017, 08:29

Stellungnahme: Entscheidungsprocedere zur CI-Operation in Niedersachsen: https://twitter.com/crathmann/status/932207137748549632

Hier ein Bericht der ans Gericht geht.

trambaer

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Montag, 20. November 2017, 10:12

Von Geburt an beidseitig an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit
RE: Implantation von CI24M 01.08.1997
EA des SP Cochlear Esprit : 29.09.1997
Upgrade auf Freedom : 07.05.2009
Uprade auf Nucleus 6(CP910): 14.06.2017
LI:Implantation geplant Termin offen, warte auf Zusage von Krankenkasse
EA des SP Cochlear Nucleus 6(CP910): offen
Medizinische Hochschule Hannover, Deutsche Hörzentrum Hannover