Auch bei mir ist der Termin der Implantierung nicht mehr weit.
Zur Person :
Ferdinand, 72 Jahre, ehemaliger Lehrer für Biologie (Sinnesphysiologie, Biochemie), Chemie u. Informatik,am Gymnasium und Int. Gesamtschule, seit Mitte der 80er
Jahre häufiger Morbus Menière mit teilweise starkem Drehschwindel. Mitte der 90er Jahre erstes Hörgerät (Siemens) im linken Ohr. Starke Lärmempfindlichkeit. Deshalb im vorzeitigen Ruhestand seit 1997. Seit ca. 2002 HG beidseitig (Siemens), seit 2013 Widex Dream 440. Im Frühjahr 2015 musste das linke HG auf
die stärkste Ausführung umgebaut werden und wurde wegen dauernder Rückkopplungen seit Anfang dieses Jahres nicht mehr getragen. Seit April in Behandlung in der HNO-Klinik der RWTH Aachen bei Prof. Westhofen, vom 4. - 6. April stationärer Aufenthalt mit allen möglichen Untersuchungen. Dabei wurde festgestellt, dass der
Schwindel nach wie vor besteht, auch wenn ich ihn meistens nicht wahrnehme. Daraus resultiert wohl auch der kontinuierliche Verlust der Hörfähigkeit. Seit den 80er Jahren wurde mit Betahistin und Dusodril behandelt. Seit April mit Cinnazarine Mylan, zu beziehen in Holland, da es in Deutschland nur als Kombinationsmittel zu bekommen ist.
Implantation vorgesehen am 6.09.2016 mit Cochlear Nucleus 6. Die Beihilfe hat auf meinen Antrag sofort mit ok reagiert, die Kankenkasse -Allianz- ziemlich rumgezickt.
Im Moment trage ich im rechten Ohr ein Widex Dream440 mit M-Dex- und TV-Dex- Fernbedienung.
Meine Frage ist, inwieweit man die Bedienung mit dem Nucleus 6 koordinieren kann. Oder ist ein anderes HG nötig? Zum anderen ist zu fragen, wie die Hörfähigkeit rechts (ca. 65 dBA) möglichst erhalten werden kann. Darauf gehe ich im nächsten Beitrag ein.
Meine Implantation
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Hallo Ferdinand,
auf jeden Fall herzlich willkommen hier, auch wenn ich deine Fragen nicht direkt beantworten kann, da ich Medel habe. Sicher werden andere dazu was sagen können. Schön, auch mal ein Lehrer dabei, ich selbst bin noch aktiv Dozent an einer Hochschule, mit HG und CI......Gruß Norbert
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Hallo Ferdinand,
willkommen bei uns "Blechohren"!
Schön, dass es bald soweit ist. "Cochlear Nucleus 6" - kurz auch "N6" genannt - ist genau genommen der aktuelle Soundprozessor (SP) von Cochlear Inc., den ich am rechten Ohr auch trage. Eine gute Entscheidung, wie ich finde. Zur Kombination mit dem aktuellen Hörgerät kann ich jedoch nichts betragen, weil ich meine beiden SP im Alltag autonom ganz ohne zusätzliche technische Hilfsmittel benutze.
Klasse finde ich, dass Du Chemie unterrichtest hast! "Früher war alles besser" trifft heutzutage besonders hier zu dank einer staatlich und medial gesteuerten "Chemophobie" unter der normalen Bevölkerung. Ich experimentiere heute noch gern; hier eine Auswahl von Beiträgen meinerseits in einem Hobbychemie-Forum:Ein Ex-Hobbychemiker stellt sich vor...
Historische Chlor-Darstellung und ChlorbleicheRunge-Bilder – Bilder, die sich selber malen
Mr hat´s die historische Chemie besonders angetan....
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Hallo Ferdinand,
Auch ich trage N6 bds.
Inwieweit dein HG mit N6 synchronisierbar sein wird, könntest du direkt bei Cochlear anfragen. Cochlear arbeitet mit GN Resound zusammen.
Frag mal in Aachen nach, wie es mit dem neuen Prozessor Kanso, auch cp950 genannt, aussieht, der in Kürze in Deutschland auf den Markt kommt.
Vielleicht bekommst du die Option, beide zu testen? Kanso soll technisch alles können wie der cp910, nur als Single Unit Prozessor.Greetz
Martina -
Vielen Dank für den freundlichen Empfang. Ich habe michfür den N6 entschieden, da man mit ihm schwimmen kann. Schwimmbadnutzung ohne HG war schon grenzwertig. Bei der Auswahl des CI hat mir Weak Ears i.G. sehr geholfen.
Im Moment beschäftige ich mich intensiver mit den physiologischen Vorgängen im Innnenohr. Ich gehe davon aus, dass Betahistin für mich nichts gebracht hat. Deshalb versuche ich Cinnazarine, die klinik empfohlen hat. Die Wissenschaft scheint aber bei Menière noch ziemlich im Trüben zu fischen, wenn man den Informationen im Netz glauben darf. Hier ist ein interessanter Artikel zu den Vorgängen in der Scala media, den ich aber noch genauer lesen muss, um ihn zu verstehen.
Was das Hörtraining nach der EA anbelangt, habe ich Bachs Weihnachtsoratorium ausgewählt. Ich habe eine Aufnahme, bei der ich selbst mitgesungen habe als mp3 digitalisiert. Zum ersten weiss ich, was ich hören muss, zum anderen wechseln Soli mit Chorgesang, mal mit Orchester oder Continuo ab. Ich kann jedes Stück beliebig am Rechner abspielen. Außerdem wird in allen Stimmlagen gesungen, so dass man einen Eindruck von der Anpassung unter verschiedenen Frequenzen bekommen kann. Nicht zuletzt kann ich das Ganze im Klavierauszug verfolgen. Wenn es mir gelingt, CI und HG gleichzeitig am Rechner anzuschließen und dabei getrennt auszusteuern, kann ich beliebig manipulieren und störe gleichzeitig nicht meine Frau mit der immer gleichen Dudelei. -
Erst einmal alles Gute für die bevorstehende OP, und dem anschließenden Heilungsverlauf!
Ich bin HG (links) Träger mit einem eÖhrchen.
Habe auch das N6 gewählt.
Da war es mir wichtig gewesen, daß ich das Gerät direkt bedienen kann, ohne immer gleich zur Fernbedienung greifen zu müssen.
Mein HG hat keine Fernbedienung. Sollte ich die Lautstärke ändern wollen, kann ich es am Gerät selbst machen.
Zur Frage wegen der Fernbedienung, für beide Geräte, kann ich also nichts sagen.Zwecks Musikhören nutze ich gerne den Kopfhörer, und stelle beide Geräte auf "T".
Da kommt sauberer Klang, ohne nervige Störgeräusche (für die CI Seite kann man das am SP einstellen, wie viel man noch vom Umgebungsgeräusch dabei mitkriegen will) durch.
Fürs TV habe ich sogar einen Kopfhörer, wo ich die Lautestärke für die linke und rechte Seite seperat einstellen kann. Wenn ich einen Regler ganz nach unten stelle, ist der Ton an dieser Stelle auch weg.
Vielleicht würde Dir auch so etwas ausreichen?Meinen SP habe ich bisher noch nicht mit einem Kabel direkt an einem Gerät angeschlossen.
Ich habe auch keinen Audiokabel in meinem Koffer gehabt
, und ich habe vermutet, daß es nicht mehr gebraucht wird.
Immerhin gibt es nun die Wireless Geräte, wovon man sich dann eines aussuchen kann, oder halt das Aqua Plus, mit dazu.Schönen Gruß
Sheltie -
Hallo und willkommen Ferdinand,
erstmal alles Gute und Erfolg für die bevorstehene Implantation. Wenn (wie meist) alles gut verlief, heisst es warten auf die Erstanpassung. Und wie ich aus Deinen Zeilen herauslesen kann, bist Du sehr gespannt auf das Musikhören. Da Du ja auf einer Seite mit dem Widex hörst (das 440 hatte ich vor meiner zweiten Implantation auf der linken Seite auch) und dann auf der linken Seite über das CI, wird das für das Gehirn schon eine Herausforderung werden, beide unterschiedliche Hörereignisse zusammenzubringen. Wichtig hierbei ist Geduld, das Gehirn macht das schon so gut wie möglich, aber es sollte auch Zeit dazu bekommen. Vorrangig geht es ja um ein gutes und wieder verbessertes Sprachverstehen. Dabei ist Musikhören als Unterstützung auf alle Fälle sehr hilfreich.
Ich bin beidseitiger CI-Träger und habe mich der Musik ebenfalls wieder angenähert und kann heute auch wieder - innerhalb der von den CIs vorgegebenen technischen Grenzen - mit einigem Genuss Musik hören und auch selbst Musizieren. Hier habe ich meinen Weg dahin beschrieben:
wieder Musik machen - der etwas andere Weg.
Inzwischen habe ich das Ganze noch etwas ausgebaut und steuere mit dem Theremin auch meinen Synthesizer, um das Klangspektrum zu erweitern. Das ist noch nicht ganz so wie es will, aber man muss ja Ziele haben - beispielsweise das Komponieren von CI-geeigneter Musik.
Du hast ja auf der HG-Seite die (weitgehende) natürliche Unterstützung des Hörerlebnisses, das CI liefert dann auf der anderen Seite den gänzlich elektronisch aufbereiteten Anteil hinzu. Da ist es anfangs wichtig, das CI-Hören in kleinen Schritten zu konditionieren (dabei das HG-Ohr aussen vor lassen). Ich selbst bin gut klargekommen mit langsamem Klavier, danach etwas Rhythmus (das nimmt man als erstes gut über CI wahr). Damit konnte ich gut Tonhöhenerkennen trainieren. Vermeiden sollte man anfangs Mehrstimmiges. Nach einer Weile merkt man, dass der Höreindruck immer natürlicher wird und dann ist es Zeit, etwas Sologesang hinzu zu nehmen. Erreicht man auch hier ein schönes Klangbild, steigert man sich weiter. Zur Belohnung darf man dann wieder sein HG-Ohr hinzuschalten
.Übung macht den Meister, aber auch Geduld. Bekanntes immer wieder anhören und hin und wieder auch etwas Neues dazu - dann wird das mit der Zeit immer besser werden.
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Ich habe das Weihanchtsoratorium ganz bewusst gewählt. Einmal kenne ich es ziemlich genau, da ich es mehrfacch mitgesungen habe. Zum anderen wechseln sich Solo Gesang, Chorgesang und beides zusammen mit Orchester ab. Als Rückmeldung bei der Anpassung stelle ich mir meine eigene Stimme vor (ich habe 40 Jahre Chorerfahrung), da ich die meisten Stücke mitsingen kann. Sollte das zu kompliziert sein, werde ich zu Kinderliedern greifen, von denen ich viele als Midi-Dateien besitze. Da ich weiss, wie die Musik klingen muss -ich bin noch nicht so lange schwerhörig-, nehme ich an, dass das bei der Anpassung hilfreich ist. Allerdings ist es im Moment so, dass die Musik auch mit HG im rechten Ohr falsch klingt. Es fehlen die tiefen Bereiche und viele Obertöne,vor allem im Frequenzbereich der menschlichen Sprache, die vor allem im tiefen Bereich - Bass - verzerrt klingt.
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ich habe 40 Jahre Chorerfahrung....
Hallo Ferdinand,
das mag ja sein; ich würde die Erwartungen nicht so hoch setzen... Denn das hängt u. a. vom Übergangswiderstand der Elektroden in der Schnecke ab.Nach der Implantation am linken Ohr war der super, bei der zweiten Implantation am rechten Ohr war dieser relativ hoch, so dass ich ihn erst durch ständiges Benutzen des Soundprozessors mehrere Monate mal quasi erst mal abtragen musste. Heute klappt das super!
Du wirst ab der Erstanpassung noch merken, wie wichtig Geduld ist... Denn Dein Gehirn muss sich erst mal umgewöhnen.
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Hallo Jochen
Ich glaube, du hast mich missverstanden. Meine Intention
der Chorerfahrung ist, dass ich dem Audiologen Rückmeldung geben kann,
was ich höre, indem ich den Ton vorsinge.Ich habe Rainer so verstanden, dass er mit seinem Instrument das so gemacht hat. Ich habe dafür meine Stimme. Zum anderen hat meine Schwerhörigkeit mit ca. 50 Jahren begonnen. Damit unterscheide ich mich von dir. Auf dem rechten Ohr liegt sie momenrtan bei ca. 60 DbA. Ich nehme an, dass es bei der Anpassung auch um die Tonhöhe geht, die justiert werden muss. -
Hallo Ferdinand,
Deine Intention habe ich schon verstanden und finde sie auch richtig!
Auch was Rainer berichtet und vorschlägt, unterschreibe ich mit.
In meinem CIC habe ich allerdings auch sehr emotionale Situationen von anderen Rehabilitanden erlebt, die enttäuscht waren, weil es nicht so lief, wie sie sich es vorstellten. War bei mir beim zweiten Implantat auch so....Deswegen rate ich dazu, anfangs nach der Erstanpassung "den Ball flach zu halten". Jeder tickt da nun mal anders!
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Hallo Ferdinand,
mache Dir erstmal nicht allzuviele Gedanken um die Erstanpassung und die Musik, wichtig ist ein guter Anfang mit dem Audiologen - eine gute Chemie bzw. das Miteinander ist hilfreich und beide lernen voneinander - und eine Vorfreude auf das, was passiert, würde ich mir nicht schmälern durch zu viele Gedanken. Mit musischer Erfahrung hat man schon gute Karten, aber letztlich hängt es bei jedem Einzelnen von vielen Dingen ab, wie die Erstanpassung und die Zeit danach verlaufen.
Zunächst einmal ist die Aufbereitung des Signals, das am CI-Prozessor ankommt, primär sprachorientiert ausgelegt. Das ist auch gut so, denn damit wollen wir ja beginnen. Der Frequenzbereich, der übertragen werden kann, hängt einmal davon ab, wie weit und wie gut die implantierte Elektrode den in der Schnecke anzusprechenden Frequenzbereich abdeckt. Bei mir sind das von 70 bis 8500 Hz (deckt den Sprachbereich in jedem Fall ab), deutlich wahrnehmbar, bis knapp über 10.000 Hz ist das nur noch empfindbar und nicht wirklich verwertbar - aber wer weiss, in der Musik spielt das dann doch eine Rolle und liefert vielleicht wertvolle Informationen.
Dazu kommt die Taktfrequenz (bei mir knapp 50kHz, also ein nicht so tolles mp3, wenn man ehrlich ist) und die Art der Stimulation (bei Med-El parallel und seriell möglich, aber es werden niemals zu einer Zeit alle Elektroden angesprochen), mit der die Elektrode beliefert wird. Das zeigt dann schon ein bisschen die Grenzen auf. Aber wir haben ja noch das Gehirn, das gleicht nach und mit viel Übung einiges aus - das ist Dein Vorteil, den Du nutzen kannst und wirst.
Und noch eine Eigenschaft, die mir immer wieder auffällt, wenn ich mal auf der Orgel herumklimpere: Treffen zwei frequenzgleiche Töne unterschiedlicher Lautstärke aufeinander (was im mehrstimmigen Bereich, instrumental und bei Gesang die Regel ist), gewinnt der lautere Ton. Das ist mit ein Grund, warum sich Chöre, Bläsersätze und auch viele andere mehrstimmige Elemente nicht so richtig wie früher anhören. Auch hier versucht das Gehirn das Beste daraus zu machen. Ich bin schon ganz zufrieden, aber mal sehen, was da noch geht.
Mir hat es jedenfalls geholfen, das Ganze sachte anzugehen, erstmal versuchen, aus einzelnen Klaviertönen die Unterschiede - gerne auch Halbtöne - herauszuhören und das Gehirn langsam zu konditionieren. Dazu Rhythmus, das geht meist von Anfang an, und immer wieder ein Stückchen mehr.
Ich hoffe, die technische Seite halbwegs richtig dargestellt zu haben ... letztlich sind das auch alles meine individuellen Erfahrungen.
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Und noch eine Eigenschaft, die mir immer wieder auffällt, wenn ich mal auf der Orgel herumklimpere: Treffen zwei frequenzgleiche Töne unterschiedlicher Lautstärke aufeinander (was im mehrstimmigen Bereich, instrumental und bei Gesang die Regel ist), gewinnt der lautere Ton. Das ist mit ein Grund, warum sich Chöre, Bläsersätze und auch viele andere mehrstimmige Elemente nicht so richtig wie früher anhören
Diese Erfahrung habe ich mit zwei Hörgeräten 2014 in Leipzig gemacht. Bei dem Besuch des Beatles Musical ist mir das noch nicht so aufgefallen. Am nächsten Tag wollte ich jedoch den Thomanerchor in der Thomaskirche hören. Es war einfach nur grauslich. Ich bin nach einer viertel Stunde geflüchtet. Die Akustik in dieser großen Kirche hat dazu sicher beigetragen, denn das Ganze war fürchterlich verzerrt. Ich stelle mich schon auf sehr viel Tüftelei bei der Anpassung ein. Als Naturwissenschaftler hat man das im Blut. Singen werde ich mit meinen 72 Jahren sicherlich nur noch für meine Enkelkinder, wenn überhaupt. Vielleicht hilft es ja auch, z.B. bei Kinderliedern die Geschwindigkeit zu reduzieren. Dazu würde ich das Programm Ludwig verwenden. Damit kann man Midi Dateien importieren oder über ein Gerät eingeben und mit verschiedenen Instrumenten oder Arrangements abspielen. Außerdem kann man die Geschwindigkeit oder die Tonhöhe verändern.